Hefte: die Wendung zur Abstraktion

„Nach 1940 haben Sie sich nach und nach von figurativen Darstellungen entfernt, zugunsten einer abstrakteren Sprache. Wurde diese Ihre persönliche Entwicklung durch die Begegnungen mit abstrakten Malern in Grasse mit beeinflusst?“

 

“Sie wurde sicherlich durch diese Begegnung beeinflusst, aber auch durch die politischen Ereignisse: durch den Krieg, die Internierung, den Zusammenbruch der Alliierten und das Vordringen der deutschen Armee. Es ist verständlich, dass solch umwälzende Ereignisse die Entscheidungen eines Malers zu bestimmten Zeitpunkten seines Lebens prägen können. Alles was ich bis dahin geschaffen hatte, war oftmals von einer antiquierten Romantik bestimmt. In England und in Amerika stieß mein Werk auf eine gewisse Resonanz, aber angesichts der Wirklichkeit, die ich durchlebte, brach diese Welt zusammen. Ich war desorientiert, schwankte hin und her und war mir nicht im Klaren, durch was all dies zu ersetzen wäre. Arps Anwesenheit und Vorbild waren mir zu diesem Zeitpunkt eine große Hilfe. Da er mit beiden Kulturen vertraut war, der französischen und der deutschen, war sein Geist lebendig und agil geblieben. Trotz seiner irrationalen und poetischen Seite lebte Arp in der Gegenwart, deren Probleme er gern voller Humor und gesundem Menschenverstand analysierte. Dank seiner freundschaftlichen Ratschläge, aber auch derjenigen von Magnelli und Sonia Delaunay, fand ich den Mut, meine bildnerische Sprache auf eine Ebene zu übertragen, die mir damals besser unserer Zeit zu entsprechen schien.“ (Ferdinand Springer, Interview von Emmanuelle Foster)

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Die "Hefte" oder "Tagebücher" dokumentieren bei Ferdinand Springer den Übergang von der Figuration zur Abstraktion. Sie entstanden in Grasse während des Krieges, in der Zeit nach seiner Entlassung und vor seiner Flucht in die Schweiz oder in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Alle seine Arbeiten auf Papier sind kleinformatig (10x15 cm im Durchschnitt), was sich durch den Mangel an Materialien während und nach dem Krieg erklärt. Aus dem gleichen Grund benutzte Alberto Magnelli zu diesem Zeitpunkt Schmirgelpapier und Schiefer. Diese Arbeiten wurden sorgfältig in Form von verschiedenen Heften von Marcelle Springer (Irene Mathias), der Frau des Malers, gesammelt.

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